Essen gegen den Herzinfarkt? – Ein Selbstversuch

Esselstyn Essen gegen den Herzinfarkt

Wer unser(en) Blog schon etwas länger verfolgt, weiß, dass ich immer wieder mal einen Selbstversuch starte, wenn mich ein Thema besonders interessiert und ich selbst in Erfahrung bringen möchte, wie sich das, was ich gelesen oder gehört habe in der Praxis anfühlt. In diesem Fall war der Auslöser für meinen Versuch das Buch Essen gegen den Herzinfarkt von Caldwell B. Esselstyn, welches im Trias Verlag erschienen ist. Deshalb habe ich für 4 Wochen eine Ernährungsumstellung ausprobiert, die ich persönlich schon ziemlich extrem fand, Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb wollte ich es einmal ausprobieren.

Angefangen hat alles damit, dass ich mir den Film „Gabel statt Skalpell“ angeschaut habe. In diesem Dokumentarfilm des Filmemachers Lee Fulkerson, aus dem Jahre 2011, wird eine fleischlose, pflanzliche Kost als optimale Ernährungsform darstellt. Der Film zeigt, dass die westliche Ernährungsform mit viel Fleisch, Fett, Zucker und industriell hergestellten Lebensmitteln zu Herz- und Kreislauferkrankungen, verschiedenen Krebserkrankungen und Diabetes Typ II führen kann. Im Gegensatz dazu, kann eine fettarme, pflanzliche Ernährung diese Krankheiten nicht nur verhindern, sondern teilweise sogar heilen. Im Film werden eine Reihe von Interviews mit renommierten Wissenschaftlern und Ärzten geführt, die diese These an Hand von Studien untermauern.

Essen gegen einen Herzinfarkt, kann das funktionieren?

Besonders interessiert hat mich dabei der Herzspezialist Caldwell B. Esselstyn. Er hat in mehreren Studien belegt, dass durch eine entsprechende Ernährung nicht nur Herzkrankheiten verhindert werden können, sondern sich bereits bestehende Erkrankungen auch zurück bilden. Besonders spannend fand ich, dass zu den Teilnehmern seiner Studien auch Menschen gehörten, die von ihren Kardiologen auf Grund ihrer Herzerkrankung, eine Lebenserwartung von, teilweise, unter einem Jahr prognostiziert bekommen hatten. Auch bei diesen Patienten stellte sich nach der von Caldwell B. Esselstyn empfohlenen Ernährungsumstellung signifikante Verbesserungen ein.

Natürlich rannte man damit bei mir offene Türen ein, da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie positiv die Auswirkungen einer gesunden Ernährung sind. Allerdings fand ich es schon ziemlich krass, sich nicht nur vegan, sondern auch ohne Zugabe von Fetten und Ölen zu ernähren. Also wollte ich sehen, wie man sich damit wohl fühlt. Wird man überhaupt satt, oder sehnt man ständig die nächste Mahlzeit herbei? Gibt es auch bei Menschen, die keine Herzkrankheit haben bzw. auch nicht unbedingt zu einer Risikogruppe gehören Veränderungen, z.B. beim Gewicht?

Nun hieß es, Literatur und vor allem Rezepte zur dieser speziellen Ernährung nach Esselstyn zu finden. Erfreulicherweise gibt es seit Oktober 2014 eine deutsche Übersetzung seines Buches „Prevent and Reverse Heart Disease“. Dieses Buch heißt bei uns „Essen gegen den Herzinfarkt“, ist im Trias Verlag erschienen und bot mir alles was ich brauchte. Es besteht aus zwei Hauptteilen. Im ersten Teil fand ich viele Hintergrundinformationen zur Entstehung von Herzkrankheiten und die Rolle welche unsere Ernährung dabei spielen kann. Das Ganze ist sehr verständlich geschrieben und es werden immer wieder konkrete Beispiele dafür angeführt, wie sehr unsere Ernährung Einfluss auf unsere Gesundheit hat. Abgerundet werden die Informationen von kleinen Geschichten und Anekdoten, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.

Rezepte für einen leichteren Einstieg

Für mich noch wichtiger, war der 2. Teil des Buches. Hier findet man nämlich eine richtig gute Auswahl an bebilderten Rezepten, die den Einstieg in eine vegane Ernährung, ganz ohne zusätzliche Fette, erleichtern soll. Vielen fällt ja schon der Umstieg auf eine vegetarische oder vegane Ernährung schwer, weil erst einmal die Rezeptideen fehlen, wenn dann auch noch sämtliche Fette wegfallen, begrenzt das die Auswahl an Rezepten doch schon sehr. Mir hat das Buch mit seinen Rezeptanregungen auf jeden Fall geholfen, neben den schon sehr leckeren Rezepten im Buch, weitere eigene Rezept zu entwickeln.

Was das Buch, meiner Meinung nach, auch sehr sympathisch macht, ist die ehrliche Art wie der Autor und seine Frau mit dem Thema dieser Ernährung umgehen. Bei einem Rezept zu einer leckeren, cremigen und natürlich fettfreien Salatsoße geben sie z. B. ehrlich zu, dass der Salat erst wieder richtig schmeckt, seit dem sie diese Soße entdeckt haben. Wundert mich persönlich irgendwie nicht, denn Fett ist ja nun einmal ein Geschmacksträger ist, für den man erst einmal einen adäquaten Ersatz finden muss.
Auf jeden Fall haben alle Rezepte, die ich während meines Selbstversuches ausprobiert habe, wunderbar funktioniert und waren auch sehr lecker. Mir fehlte teilweise etwas die Würze, aber das lässt sich ja sehr leicht korrigieren.

Was ich für den Versuch im Haus hatte

Als Basis diente natürlich, wie sollte es bei einer pflanzlichen Ernährung auch sein, Obst und Gemüse. Avocados, die ich ziemlich gern mag, fielen allerdings, auf Grund des hohen Fettgehaltes durch das Raster.
Dazu gab es Kartoffeln, Reis, Nudeln und auch Brot war erlaubt. Damit es nicht langweilig wurde, habe ich diverse fettfreie Soßen und Salatdressings zubereitet. Immer vorrätig waren beispielsweise Apfel und Pflaumenmus sowie Tomaten- und Paprikamark. An Dosenfutter hatte ich immer diverse Bohnen, Dosentomaten und passierte Tomaten. Als fettfreier Käseersatz kamen Edelhefeflocken zum Einsatz.

Da ich mich entschlossen hatte, die extreme Variante dieser Ernährungsform zu versuchen, welche insbesondere Menschen empfohlen wird, die bereits an Herzkrankheiten leiden, waren Nüsse leider nicht erlaubt.


Die erste Woche war noch etwas unsortiert

Der Anfang war leicht, der Salat schmeckte ohne Olivenöl zwar etwas anders, aber im Buch gab es dazu die eine oder andere leckere Salatsoße. Erst einmal gewöhnungsbedürftig aber ziemlich lecker. Mal ein paar Kartoffeln, Reis oder Nudeln mit einer leckeren, fettfreien Soße kochen war auch kein Problem, zumindest glaubte ich das anfangs. Allerdings kam der Hunger ziemlich oft recht kurzfristig und dann auch ziemlich heftig. Da bietet sich dann natürlich ein Brot, beispielsweise mit Paprikamark oder Kichererbsen an, die ich direkt auf dem Brot zerdrückte und mit Kala Namak Salz und etwas Pfeffer würzte. Schmeckt dann fast wie ein Eierbrot, ist auf Dauer aber auch nicht das Gelbe vom Ei.

Fazit der 1. Woche: alles war noch etwas unsortiert, für meinen Geschmack habe ich etwas zu viel Brot gegessen, da der Hunger mich manchmal doch ziemlich überrascht hat. Also war ein Strategiewechsel angesagt. Damit auch bei einem plötzlichen Anflug von Hunger gleich etwas Leckeres da war, beschloss ich, verschiedene Lebensmittel vorzukochen und im Kühlschrank zu lagern.

Die 2. Woche bringt interessante Erkenntnisse

Gleich am Montag setzte ich meinen Plan um; Vorkochen war angesagt. Kartoffeln, Vollkornreis und Vollkornnudeln, dazu zwei Soßen und gekochte rote Linsen fanden ihren Weg in den Kühlschrank. Dazu kamen Snacktomaten und eine Frischhaltedose mit Kidneybohnen oder grünen Bohnen. So war gewährleistet, dass auch bei einem kurzfristigen Hunger-Notfall reichlich fettfreie Nahrung zur Verfügung stand, die sich dazu noch sehr schön kombinieren ließ. Das Aufwärmen dauerte zwar etwas aber das war letztendlich kein Problem, zur Not konnte man ja alles auch kalt essen, denn dadurch dass kein Fett im Essen war, schmeckte es auch so sehr gut.

Damit kehrte ein geregelter Essensablauf ein. Zum Frühstück gab es meistens etwas Vollkornbrot mit Paprikamark, Pflaumenmus oder Kichererbsen, mittags gab es etwas aus dem Kühlschrank oder ein Rezept aus dem Buch, abends meist ein großer Salat mit einem leckeren Dressing. Für den Hunger zwischendurch war darüber hinaus ja immer etwas im Kühlschrank. Es war eine gute Woche, ich konnte reichlich gut und abwechslungsreich essen und habe mich dabei auch sehr wohl gefühlt.

Am Ende der Woche stand die Erkenntnis, dass es ziemlich gut funktioniert. Außerdem stellte sich heraus, dass meine Familie unfreiwillig an meinem Versuch teilnahm. Dadurch, dass immer etwas Leckeres, leicht Kombinierbares im Kühlschrank stand, wurde dies von allen reichlich genutzt. Ich musste bei den Vollkornnudeln und den Soßen sogar noch „nachlegen“. Ach ja, 2 Kilo habe ich auch noch abgenommen, das hat mich schon sehr überrascht, da ich ja reichlich gegessen habe.

Woche 3 – Man gewöhnt sich an die Ernährung

Nachdem die 2. Woche sehr erfolgreich war begann die 3. Woche wieder mit Vorkochen. Diesmal gab es noch 2. Salatsoßen dazu und ich entdeckte, dass auch Senf sehr gut als Aufstrich auf einem Brot schmeckt. Es stellte sich jedoch auch heraus, dass trotz der vorgekochten Speisen etwas mehr Vielfalt angesagt war. Auf Dauer würden die Kühlschrankspeisen doch vielleicht ein wenig eintönig werden. Also machte ich gleich am Dienstag eine große Portion fettarmen Kartoffelsalat. Die Anregung zu diesem Rezept hatte ich wieder aus dem Buch. Dort hatte ich ein Kichererbsendressing gefunden, welches sich sicher für einen Kartoffelsalat eignen würde. Das Resultat ist so lecker, dass ich es hier als Rezept für euch aufgenommen habe.

Da sich inzwischen eine gewisse Routine eingestellt hatte begann ich, zu schauen was man sonst noch fettfrei zubereiten könne. Ich stellte fest, dass sich Zwiebeln auch ohne Fett recht gut rösten lassen, daraus wurde dann eine fettfreie Nudelsoße. Auch Kichererbsen, die ich ja sowieso sehr schätze, lassen sich vielfältig einsetzen um damit beispielsweise fettfreie Soßen oder Brotaufstriche zuzubereiten. Dazu kamen einige leckere Rezepte, die ich aus dem Buch nachkochte. Für leckere Vielfalt war also gesorgt.

Auch die dritte Woche war also ziemlich gut. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir das Fett fehlen würde und durch die neuen Speisen, die ich ausprobiert habe, gab es von Eintönigkeit keine Spur. Klar wurde auch, dass es ohne Hülsenfrüchte kaum funktionieren kann. Als Eiweißlieferant sind sie unersetzlich und dazu sättigen sie auch noch sehr schön.

Woche 4 – Vielfalt und Zufriedenheit

Die letzte Woche meines kleinen Versuches begann mit der Erkenntnis, dass ich immer noch guter Dinge war, es mir sehr gut ging und ich dazu jede Woche ein wenig abgenommen hatte. Allerdings war es kurzfristig auch schon mal ziemlich hart, beispielsweise dann wenn irgendjemand in meiner Nähe leckere Pommes aß. Die esse ich nämlich für mein Leben gern.

Also begann ich, im Backofen knusprige Pommes bzw. Wedges ohne Fett zu machen. Dazu konnte dann jeder einen Dipp seiner Wahl nehmen. Meiner war meist Hummus, der auf den Pommes ein ganz klein wenig wie Mayonnaise schmeckte. Nachdem ich anfangs nur probehalber ein Blech mit diesen Pommes gemacht hatte, folgten an den nächsten Abenden jeweils zwei Bleche, die dann in relativ kurzer Zeit in unseren Mägen verschwanden. Als optimaler Snack für Abends haben sich übrigens Cocktailtomaten herauskristallisiert. Die sind nicht nur süß und lecker, sondern auch richtig gesund.

Auch in der 4. Woche gab es also wieder neue Erkenntnisse und mehr Vielfalt auf dem Speiseplan und auch in dieser Woche fand meine Familie die fettfreien Experimente sehr gelungen.

Nach 4 Wochen kann ich natürlich kaum etwas darüber sagen, wie sich eine derartige Ernährung langfristig auf die Gesundheit auswirkt; dafür bilden die Studien von Dr. Esselstyn eine wesentlich profundere Basis. Dennoch hat mir der kleine Versuch eine Menge gebracht.

Mein Fazit

Meine wichtigste Erkenntnis ist, dass man sich, anders als ich vorher vermutet hatte, völlig problemlos fettfrei ernähren kann. Wenn man erst einmal den Einstieg geschafft hat, was mit dem Buch „Essen gegen Herzinfarkt“ sehr gut funktioniert, entwickelt man recht schnell neue Ideen und findet heraus, was besonders gut sättigt und wie man kreativ auf zusätzliche Fette verzichten kann. Veganern und auch Vegetariern sollte das sogar recht leicht fallen, da sie sich ja meist sowieso schon sehr viele Gedanken über eine gesunde, vollwertige Ernährung gemacht haben.

Ich selbst habe mich bei dem Experiment richtig gut gefühlt. Nachdem ich mich organisiert hatte fiel es mir sehr leicht ohne zusätzliches Fett auszukommen, Hungerattacken hatten ab der 2. Woche keine Chance mehr. Außerdem fand diese Art des Essens nicht nur bei mir, sondern bei der ganzen Familie viel Anklang. Es wurde außerdem viel weniger genascht, da immer irgendetwas Gutes zu Essen greifbar war. Dazu kam, dass ich jede Woche, wie schon beschrieben, etwas an Gewicht verlor.

Ich werde wohl erst einmal mit dieser Ernährung weiter machen, allerdings mit einigen Änderungen, bzw. Erleichterungen. Auf jeden Fall werde ich täglich ein paar Nüsse in meinen Speiseplan aufnehmen. Damit stelle ich sicher, dass ich genügend Omega3 bzw. ungesättigte Fettsäuren bekomme. Auch auf Avocados werde ich in Zukunft nicht verzichten, die mag ich einfach zu gern. Ach ja, ab und dann wird es einen „Cheat Day“ geben, an dem ich es nicht so genau nehmen werde, immerhin muss ich ja auch neue Rezepte für euch ausprobieren und die werden garantiert nicht immer fettfrei sein.

Insgesamt fällt mein Fazit sehr positiv aus. Wenn ihr Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte habt, lohnt es sich, meiner Meinung nach, diese Ernährungsweise einmal auszuprobieren. Ich würde allerdings auf jeden Fall einen Arzt hinzuziehen, auch um verfolgen zu können, wie sich eure Werte verbessern. Vielleicht könnt ihr dann langfristig sogar das eine oder andere Medikament reduzieren oder sogar ganz darauf verzichten.

Wenn jemand von euch derartige Erfahrungen macht, oder schon gemacht hat, würde mich ein Feedback natürlich sehr freuen.

Unser Buchtipp zum Selbstversuch

Zuletzt aktualisiert am 16. Oktober 2018 um 20:21 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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